Unser Weg zur erfolgreichen Kampffisch-Zucht

Die Kampffischzucht ist eine faszinierende und tolle Sache, denn sie wird vom Anfang bis zum Ende mit Spannung und Freude begleitet. Doch für eine erfolgreiche Zucht muss man einige Dinge beachten. Unter Kampffischhochzucht – Ein Hobby, was gut durchdacht sein sollte findet ihr alle Informationen, welche ihr euch im Hinterkopf behalten solltet, bevor ihr mit der Zucht anfangen wollt. Denn auch wenn es im Gesamten eine tolle Sache ist, so ist sie mit ein paar Bedingungen verbunden, welche man vorab erfüllen sollte.

Das Zuchtbecken

Ich kann gar nicht sagen, wie viele Versuche wir mit verschiedenen Zuchtbecken gestartet haben, bis wir die optimale Lösung gefunden haben. Nie war etwas wirklich optimales dabei. Versucht haben wir:

  • Cleanbecken (ohne Technik, Deko, Filter)
  • Neuaufgesetzte Becken mit Deko und Bodengrund sowie mit Filter
  • Neuaufgesetzte Becken mit Deko und Bodengrund ohne Filter
  • Becken mit echten Pflanzen
  • Becken mit künstlichen Pflanzen
Doch nichts davon führte zu gewünschten Zielen. Nun haben wir eine neue Methode versucht und diese funktioniert wirklich gut. Wir verpaaren die Tiere in bereits lang eingelaufenen Becken mit Bodengrund, Efeutute, kunst- oder auch echte Pflanzen und ohne Filter. Die Becken stehen vor der Verpaarung bereits seit Wochen, sodass sich viele Kleinstlebewesen darin bilden konnten. Seit wir diese Methode verwenden, ist die Anzahl überlebender Larven wesentlich größer als vorher, wo wir wirklich nur eine klitzekleine Anzahl durchbekommen haben.

Der Einsatz von Efeutute hat viele Vorteile. Durch den wilden Wuchs, den großen Blättern und den langen Wurzeln bietet sie tolle Versteckmöglichkeiten für das Weibchen. Außerdem entzieht sie dem Wasser viel Nitrat zum wachsen. Nitrat entsteht schnell durch zu viel Futter, was in der Fütterung der Larven recht schnell passiert. Ein zu hoher Nitratwert kann die Larven bei einem richtigen Wachstum stören bzw. diesen verlangsamen.

Weitere Daten zu unseren Verpaarungsbecken:

  • Größe: 12 Liter (30 x 20 x 20 cm)
  • Temperatur: 26 – 28 Grad
  • pH: ca. 7,2
  • dGh°: etwa bei 10
Da unser Leitungswasser leider öfter gechlort wird, geben wir den Wasseraufbereiter der Firma Söll hinzu, ebenso einen guten Schuss Femanga Humin Aktiv und etwas EasyLife Voogle. Auch wird ein Laubblatt oder Seemandelbaumblatt als Laichhilfe zugegeben.
 

Ach ja, wie man sieht, beschriften wir unsere Becken auch 😉

Die Vorbereitung des Zuchtpaares

Wie auch oben im Link erwähnt ist es wichtig, ein passendes Zuchtpaar zu erwerben. Hier sollte man immer das Zuchtziel im Auge behalten. Optimal richtet sich dieses nach dem Zuchtstandard, denn so hat man einen guten Leitfaden für gesunde Tiere. 

Wir halten das Männchen einige tage vorher im Zuchtbecken, das Weibchen natürlich erst einmal in einem anderen Becken. Beide werden etwa 7 Tage vor der Verpackung gut abgefüttert, dass heißt, zwei mal am Tag gib es proteinreiches Futter wie schwarze Mückenlarven, Enchytraen/Grindalwürmer, Krill, Mysis, Tubifex, proteinreiches Granulat und seit neustem auch Repashy Spwan&Grow.

Die Verpaarung

Sind die Tiere gut angefüttert, setzen wir das Weibchen in das Zuchtbecken gegeben. Jedoch sollte man das Weibchen nur mit einem Schutz in das Becken setzten, sodass es für das. Männchen sichtbar getrennt ist, doch nicht zu stark verletzt wird, denn das Männchen wird immer erst aggressiv reagieren. Wir arbeiten aktuell noch mit einer präparierten PET-Flasche, wollen aber demnächst auf eine Acrylglasscheibe wechseln. Diese lassen sich wesentlich einfacher entfernen und einfacher reinigen.

Man sieht schön die Interaktion beider Tiere mit Sichtschutz

Ist das Männchen bereit, eine Verpackung vorzubereiten, wird es sehr schnell mit dem Nestbau beginnen. Daran sitzen die Männchen in der Regel 1 – 3 Tage, man muss sich also oft in Geduld üben. Er wird stetig am Nest arbeiten, jedoch auch immer wieder drohend zum Weibchen zurück kehren. Nester der Männchen können verschieden groß ausfallen und sind kein Indikator für die fertige Laichbereitschaft. Von windig klein, wie ein 5 Cent stück, bis über mehrere Cm habe ich schon sämtliche Varianten gesehen. 

Ist das Männchen bereit für die Paarung, wird er vermehrt zum Weibchen zurück kehren und mit schlängelnden Bewegungen um das Weibchen werben. Anschließend wird es schnell zu seinem Nest zurück kehren und eine Weile unter diesem verweilen, eventuell noch etwas daran herum bauen. Zeigt zudem (Wenn es der Farbschlag zulässt) das Weibchen Laichsstreifen, kann es definitiv aus der Flasche entlassen werden. 

Hat man das Weibchen nun entlassen, wird es recht schnell den Weg zum Nest des Männchens finden. Hier wird es meist vorkommen, dass das Männchen das Weibchen verjagen wird. Hier heißt es also keine Panik. Das Weibchen wird immer wieder zurück kehren, teilweise etwas am Nest herum Frieseln und  nicht selten auch dem Männchen gegenüber zeigen, dass sie kein Schwächling ist 😉

Ist das Weibchen völlig unterwürfig und Laichbereit, wird es in Nestnähe oder gar direkt darunter seine Caudale anlegen, den Körper schräg nach unten richten und mit schlängelnden Bewegungen dem Männchen signalisieren, dass es Laichbereit ist. Das Männchen wird es schnell akzeptieren und unter dem Nest dulden. Dann kann man sich sicher sein, dass es bald mit der Paarung beginnen wird.

Dieses Bild zeigt ein Männchen, welches bei Betti Betta 4 Tage friedlich iM Zuchtbecken gemeinsam mit dem Weibchen sah, bis sie wohl sichtlich keine Lust mehr auf ihn hatte. Man sieht also, auch auf das Gemüt der Weibchen muss man stark aufpassen! (Bild wurde uns freundlicherweise von Betti Betta zur verfügung gestellt <3

Beginnen tun die Tiere vorerst mit Scheinpaarungen. Dass heißt, die Tiere umschlingen sich, ohne das Eier fallen. Hierbei spielen sich die Tiere ein, um eine Erfolgreiche Besamung der Eier zu gewährleisten. Diese kann von ein paar Minuten bis hin zu mehreren Stunden andauen.

Ist die Scheinpaarung abgeschlossen, so fallen die ersten Eier nach der Umschlingung herab. Beide Tiere verfallen dabei in eine sogenannte Laichstarre, sie verharren also in der Umschlingung. In diesem Akt entlässt das Weibchen einige Eier und das Männchen besamt diese. Das Männchen löst sich als erstes von der starre. Hierbei fallen die gelegten Eier zu Boden und werden zuerst von dem Männchen aufgenommen. Kommt das Weibchen aus der Starre, wird auch dieses anfangen, die Eier aufzusammeln. Beide Tiere umhüllen dabei die Eier mit einem Speichelsekret und befördern die Eier in das Schaumnest. Durch das Sekret kleben die Eier förmlich im Schaumnest, Die ganze Paarung kann bis zu mehrere Stunden andauern.

Das Männchen löst sich aus der Starre und einige Eier fallen zum Boden herab

Ist die Verpaarung beendet, wird das Männchen recht schnell damit anfangen, das Weibchen aggressiv aus der Nähe des Nestes zu vertreiben. Jetzt ist es besonders wichtig, das Weibchen aus dem Becken zu entfernen. Je nach dem, ob das Weibchen leichte Verletzungen davon getragen hat, geben wir in das Becken, in denen wir es setzen, noch etwas Voogle und Seemandelbaumsud hinzu. Dies beruhig die Schleimhaut und beugt Infekte vor.

Möchte man dieses Weibchen wieder vierpaaren, so sollte man diesem mindestens 14 Tage Zeit geben, bevor man es erneut verpaart. Wir warten immer etwa 3 – 4 Wochen.

Aufzucht der Jungen Step by Step

Hat die Verpackung geklappt, werden, je nach Temperatur nach 2 – 3 Tagen die kleinen Larven schlüpfen, 1 – 2 Tage später werden diese frei schwimmen. Nun ist es an der Zeit, dass Männchen zu entfernen, da dieses möglicherweise an die Brut gehen würde. Nun beginnt die Aufzucht der kleinen Kerlchen.

- Step one: Aufzucht der Larven

Die Aufzucht der Larven ist für uns persönlich die größte Herausforderung an der Zucht, denn die kleinen sind wirklich sehr sensibel. Zu große Wasserveränderungen, falsches Futter oder zu viel Wirbel können hier schon Probleme verursachen. Daher machen wir tatsächlich die ersten 3 – 4 Wochen keinen Wasserwechsel. Verdunstet zu viel Wasser, geben wir die fehlende Menge sehr vorsichtig in das Becken hinzu.

Gefüttert werden die kleinen ab dem zweiten Tag, an dem sie frei schwimmen, mit frisch geschlüpften Artemia Nauplien. Hier haben wir schon viele Eier versucht. Am besten fahren wir mit den Eiern von Petifool. Zum brüten verwenden wir aktuell die JBL Artemia Trichter.

Unsere verschiedenen Erfahrungen bei etwa 24 / 25 °C und Meersalz mit geschätzter Schlupfte in %-Angabe
Petifool
74,99 € / 454g 98%
Sanders
89,99 € / 425g 96%
Hobby
34,99 € / 150 ml 89%
Verschiedene Fertigmischungen diverser bekannter Firmen
1,20 - 10,00 € / Kleiner Packungseinheit 60%
Diverse billige Neoname-Eier von Amazon/Ebay
- 40%

Wie immer, muss diese Angabe nicht auf jeden zutreffen, es handelt sich hierbei um unser eigenes empfinden, Ich denke aber, vor allem für die, die wenige Würfe haben, läuft man mit den bekannten Sanders wirklich gut, denn diverse Firmen bieten hier auch kleiner Portionen an. Möchte man doch eine größere Dose kaufen, so empfiehlt es sich, eine kleine Portion abzufüllen und den Rest, gut verschlossen, im Gefrierschrank zu lagern.

Gefüttert werden unsere Larven ausschließlich mit Nauplien, bis sie etwa 4 – 6 Wochen alt sind. Weiter gefüttert werden sie bis sie beinahe Abgabebereit sind, denn Nauplien werden auch von größeren Tieren sehr gerne angenommen.

- Step two: Aufzucht der Jungtiere

Sind die Kleinen bereits 4 – 6 Wochen alt, werden sie nach und nach auf andere Futtersorten umgewöhnt. Jetzt bekommen sie zwischendurch auch Krebseier, Daphnien, feine Bug bites, Repashy Spawn&Grow und ähnlich großes Futter, solange, bis sie etwa 3 – 4 cm groß sind. Auch beginnen wir jetzt damit, einmal in der Woche etwa 1/3 Wasser zu wechseln. Dem Frischwasser führen wir immer wieder, wie auch beim Zuchtbecken, den Wasseraufbereiter von Söll zu sowie etwas Humin Aktiv. Anfangs hatten wir alle 2 – 3 Tage einen Wasserwechsel zugeführt und merkten schnell, dass dies eher negative Auswirkungen hatten. Mit einmal wöchentlich laufen wir wirklich sehr gut. Mit einer Größe von etwa 2 cm werden die Tiere in ein 25 Liter (40 cm) Aufzuchtsbecken überführt. 

- Step three: Aufzucht bis zur Abgabe

Sind die Tiere rund 3 – 4 Monate alt, beginnen die ersten Kämpfchen im Aufzuchtsbecken. Nun ist es an der Reihe, die ersten zu separieren. Wir verwenden dafür Sepaboxden, welche wir mit etwas Moos oder Hornkraut einrichten. Hier machen wir nun aber zwei mal in der Woche einen Teilwasserwechsel von etwa 80%, denn in kleineren Behältern muss dafür gesorgt werden, dass die Werte Stabil bleiben.

Da wir nun durch die Zimmertemperatur die Boxen wärmen, haben wir hier immer konstante 24 – 25 Grad in den Boxen. Wer diese Möglichkeit nicht hat, kann sehr gut mit Heizkabeln arbeiten. So jedenfalls haben wir früher unsere Boxen warm gehalten. Als Gestellt dient uns dieses IKEA Regal, welches man durch das Nachkaufen von Böden individuell aufbauen kann. Entlang der Streben legten wir unsere Heizkabeln im Loop und konnten die Boxen so prima aufwärmen. 

Nun bekommen unsere Jungtiere auch gröberes Futter wie Shimp Pellets von Söll, Mückenlarven, Krill, Mysis etc. Mit einem Alter von etwa 6 Monaten finden Sie dann ein neues Zuhause

Die Selektion

Beieinem Wurf ist es natürlich klar, dass ihr ein paar Jungen behaltet, um eure Linie weiter zu führen und auchein paar Abgeben werdet. Doch was man in der Zucht immer beachten sollte, dass es auch vorkommen kann, dass nicht ganz gesunde Tiere groß werden. Dass heißt, manche Tiere können körperliche Veränderungen (Krumme Rücken, starker Buckel etc.) aufweisen, starke Schuppenfehler oder ähnliche Dinge aufweisen. Diese Tiere sollten (unserer Meinung nach) nicht in Umlauf geraten. Auch wenn man gesagt bekommt, man würde auf gar keinen Fall mit dem Tier züchten, kommt es doch nicht selten vor, so jedenfalls leider unsere Erfahrung. Daher ist es wichtig, die Tiere zu selektieren.

Da man die Tiere bereits eine Weile groß gezogen hat, wäre es natürlich unsinnig, die Tiere einfach zu töten und wegzuwerfen. Allein Tierschutzrechtlich könnte man hier bereits Probleme bekommen. Daher ist es sinnig, sich einen geeigneten Verwerter anzuschaffen, der dadurch artgerecht ernährt wird. So sind Raubsalmler wie Erythrinus erythrinus, räuberische Kugelfische wie der Pad palembangensis oder ähnlich fischfressende Räuber geeignet. Auch der beliebte Channa ist ein guter Verwerter, solange er nicht ausschließlich mit Fischen ernährt wird, sondern auch mit Insekten. 

Unsere persönlichen Tips zur Abgabe

Gebt eure Nachzuchten nicht auf biegen und brechen ab, nehmt euch Zeit oder verzichtet notfalls auf eine Abgabe und füttert lieber Eure Räuber mit diesen Tieren.

Da Facebook ja leider keine optimale Platform für den Verkauf ist, sollte man sich gut überlegen, wo man die Tiere anbieten will. Wer sich für Ebay-Kleinanzeigen entscheidet, sollte starke Nerven haben, denn dort melden sich vielerlei verrückter Gestalten. Achtet hier also darauf, wo ihr eure Tiere hin gebt, lasst euch Infos geben, worin die Tiere gepflegt werden sollen und lasst euch notfalls ein Foto zeigen. Man kann zwar nie 100%ig sicher sein, dass al die Angaben stimmen, doch oft merkt man, wo man ran ist.

Gute Möglichkeit, seine Tiere zu vermitteln, sind diverse Kampffisch-Shows. Auch auf Aquabid kann man als Deutscher seine Tiere anbieten, man muss hier nur wesentlich mehr für sich werben. 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.